Bin ich zu alt zum Boarden?

Barcelona

Ich habe mir diese Frage oft selbst gestellt, auch als ich schon mit dem skaten angefangen habe. Fragt ihr euch auch, ob ihr überhaupt noch was lernen könnt, das Risiko eingehen solltet oder was die Leute von euch denken sollen?

Boarden lernen geht viel schneller als ihr denkt

Ich habe mit 19 mit dem Skateboarden angefangen und bin nach einer langen Verletzung vor zwei Jahren zum Longboarden gekommen. Mir war von Anfang an klar, dass ich mich einfach nicht mehr so viel traue wie ich mich vielleicht mit acht Jahren getraut hätte.

Beim Skateboarden habe ich die ganzen guten Skater um mich herum gesehen. Ich dachte, ich muss so gut werden wie sie und auf Contests gehen. Wozu sonst überhaupt weitermachen? Innerlich hab ich mir ganz schön Druck gemacht. Einen neuen Trick zu lernen, ist ein wunderbares Erfolgserlebnis! Und Contests können bestimmt motivierend sein. Aber muss das sein?

Bevor ich mit dem Longboarden angefangen habe, war mir gar nicht klar, dass das ne eigene Szene ist. Ich dachte, Longboarden, das machen die „Alten“, die Knieprobleme haben. Da ich auch einen Kreuzbandriss hinter mir habe, schien es also das perfekte Board. Hat sich auch erstmal sicher angefühlt, damit einfach nur rumzucruisen!

Später habe ich entdeckt, dass das Longboarden einfach noch mal ne ganz eigene professionelle Szene ist. Für Downhill habe ich jetzt zum Beispiel super körperliche Voraussetzungen (leider kaum Berge in Berlin, außer zum Beispiel den Teufelsberg). Oder ich habe mir wirklich nicht vorstellen können, dass ich es schaffe, mit dem Board zu Dancen. Das ist eine Disziplin im Longboarden, bei der man Schritte auf dem Board macht. Aber ich hatte schnell ein paar Schritte drauf und super Spaß damit.

Boarden ist kein Wettbewerb

Egal wie gut ihr seid oder wie schnell ihr lernt: Es geht nicht um Wettbewerb. Es geht um euch und wie ihr euch auf dem Board fühlt. Ob der Ollie jetzt 5 oder 10 Zentimeter hoch ist. Ob ihr schnell oder langsam vorankommt. Das geht nur euch was an. Es ist total logisch, dass wir ganze Knochen und brauchen und deshalb vorsichtiger und langsamer rangehen. Weil wir Jobs haben oder Kinder oder manchmal niemanden für Hilfe zu Hause haben. Verletzungsrisiko ist da, aber verletzten kann man sich überall. Als ich wegen meines Kreuzbands zur Reha war, hat einer erzählt, dass er sich seins beim Enten füttern gerissen hat. Pjuu ich sag ja, es passiert überall.

Ich finde, das Boarden lebt nicht von höher schneller weiter besser – wer ist der oder die Beste? Das macht Leute zu Besseren oder Schlechteren, zu Gewinnern oder Verlierern. Beim Boarden geht es um mehr. Um’s draußen sein, neue Umgebungen kennenlernen, nur für sich sein können und gleichzeitig zu wissen, dass Freunde in der Nähe sind. Alle teilen das gleiche Glücksgefühl. Mit dem Board kann man den ganzen Tag unterwegs sein oder nur mal zehn Minuten. Egal. Es gibt keine festen Trainingszeiten, keine Werte, die überschritten werden müssen. Boarden ist kreativ und alle sind frei darin, das zu tun, was sie eben damit tun wollen. Tricks lernen und richtig gut werden – Cool! Rumfahren und sich frei fühlen – genauso cool! Das Boarden ist nicht nur ein Sport, es ist ein Lebensgefühl. Und das ist nicht altersabhängig!

Boarden ist nicht nur was für kleine Jungs

Auch wenn das eine Brigitte-Autorin eindrucksvoll schlecht behauptet hat. Skatende erwachsene Männer? Lächerlich. Männer haben stattdessen Fußball zu spielen, schreibt sie. Na ich zweifel das ganz stark an, dass Männer sich da erwachsener benehmen! Ich frage mich, was die Autorin zu skatenden Frauen gesagt hätte, hätte sie bemerkt, dass es da auch welche gibt.

Sie hat sich für den Artikel einen sehr fiesen Shitstorm dafür eingehandelt, der auch nicht sonderlich erwachsen geführt wurde und den ich nicht gut heiße. Auch wenn sie behauptet, der Artikel wäre übertrieben dargestellt, spiegelt er doch einen großen Teil unseres breiten gesellschaftlichen Denkens wieder. Boarden ist was für Kinder. Trinken, Wandern, Tatort gucken – das ist für Erwachsene. Da haben sie Spaß zu haben. Hä? Logik!?

Also: macht das, was euch Spaß macht. Egal wie alt ihr seid!


One thought on “Bin ich zu alt zum Boarden?

  1. brezelbutter Antworten

    Danke fürs Mut machen! Ich bin 37 und habe gerade mit dem Longboarden angefangen. Es ist leicht, sich selbst zu demotivieren, weil die Jungs von nebenan das alles besser drauf haben und doofe Sprüche klopfen….

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