Mit dem eigenen Auto die Westküste entlang – Tag 4

Freeways in San Fransisco
Mit dem Auto durch San Fransisco? Furchtbar!

Um fünf Uhr Morgens finde ich über die Wiese einen Ausgang vom Parkplatz. Freiheit! rufe ich und fahre glücklich los in Richtung San Francisco. Mir wird wieder warm. Dort erwarten mich allerdings Rush-hour und endlos viele Freeways, auf denen ich ständig die Abfahrt verpasse.

Ich will meinen Anschlussbus nach Arcata endlich buchen – meine nächste Station, wo ich eine sehr gute Freundin endlich wieder sehen werde – realisiere aber, dass ich die 100$ nicht mehr auf der Kreditkarte habe (wie kann ein Bus so teuer sein!?). In der Service-Hotline fliege ich ständig raus und kann nicht herausfinden, ob cash akzeptiert wird. Ich realisiere auch, dass ich nicht mehr genug Cash habe. Ich will den Abgabeort des Autos auf Arcata verlegen, die Station dort wurde aber geschlossen. Es beginnt, zu regnen und ich fange auch an zu heulen.

Ich entscheide, das Auto loszuwerden, denke erst kurz vor der Abgabe am Airport ans Tanken, stehe dort in einer ewigen Schlange von Mietwagen und als ich endlich dran bin, erfahre ich, dass meine Visa Card hier nicht akzeptiert wird. Ich will nicht mehr, ich will aufgeben – und genau in dem Moment geht es wieder los…

…es dreht sich von alleine zum Guten

Ein Mann kommt mir zu Hilfe und zahlt den Sprit per Karte. Ich gebe ihm die 20$ cash zurück. Nachdem ich das Auto endlich abgegeben habe, stehe ich verloren an irgendeinem Park’n’Ride herum. Ich habe keine Ahnung, wohin. Nach Arcata trampen, meine Kontakte in San Francisco aktivieren oder darauf hoffen, jemanden mit Kreditkarte zu finden? Die Zeit läuft davon, der einzige Bus fährt um drei.

Ich spreche einen Autofahrer an, ob er mir einen Ride geben könnte. Wohin, fragt er. Weiß ich nicht, antworte ich, nur weg. Ich erzähle ihm von meinem Problem mit dem Geld. Da sagt er, das Ticket kann er mir zahlen, kein Problem. Ich denke, er scherzt, aber er meint es ernst. Dafür sind wir da, sagt er, anderen zu helfen.

Ich nehme es an, weil ich glaube, dass er als Manager einer Cafekette genug verdient. Am Busbahnhof kaufen wir das Ticket, er verabschiedet sich und ich habe noch genügend Zeit, mein viel zu viel gekauftes Essen vom Westcoast-Trip an einen Obdachlosen zu verschenken.

Sobald du etwas gibst, kommt es umgehend wieder zu dir zurück. Nur in anderer Form. Diesen Kreislauf vom Geben und Nehmen erfahre ich auf dieser Reise so konzentriert, dass ich es fast nicht glauben kann. Es nimmt mir die Angst vor der Zukunft, vor dem, was mal sein soll, weil ich ganz deutlich merke, dass sich letztendlich – egal wie schlimm es sich grade anfühlt – alles fügt.


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