Mut zum Achsengriff – Was würde Natalie Westling sagen?

Ich bin – ganz eindeutig – dumm. Ganz eindeutig. Jedenfalls, wenns’s um Skateboardmodel Natalie Westling geht. Denn schaut euch mein Board an. Da sind Longboardweels dran. Geht ja gar nicht. Not real, not original. Und dann auch noch das: ich trage mein Board an den Achsen. Wirklich, gestern in der U-Bahn. Da war einfach kein Platz und die Leute rempeln hin und her. Nur gut, dass mich keine anderen Skater gesehen haben. Hätten die mich ausgelacht…!

Aber noch mal zurück. Skateboarding hat es wahrscheinlich nicht umsonst in die Mode und in die Werbung geschafft. Sieht halt so lässig aus. So ganz und gar nicht wie das steife Leben, das wir alle leben sollen. Skateboarding als Ausdruck von gelockerten Schlipskrägen, erscheint mir deshalb nachvollziehbar.

Lobenswert ist ja, dass hier ein Video produziert wurde, in dem ein Mädchen skatet und wir nicht die üblichen Bilder der Modeindustrie wiederkauen müssen. Ich denke da an sich sexy rekelnde Frauen, die sich an Männer schmiegen. Oder noch besser, sich sexy rekelnde Frauen, die Skateboards liebkosen.

Wir werden hier allerdings laut Videotitel mit einer „Skateboard Ettikete“ vertraut gemacht, also damit wie wir uns beim Skateboarden zu verhalten haben. Auf diese Weise verbreitet das Video eine Message, die so gar nicht mit dem Rebellischen zusammenpasst, das uns am Skateboarden fasziniert. Das Video kreiert das Bild eines coolen Skatergirls. Ein stereotypes Bild. Genauso wie die unzähligen anderen stereotypen Bilder, die wir täglich konsumieren. Wer das Video sieht, kann schnell zu dem Glauben kommen, sich an diese Etikette halten zu müssen. Und wer sich nicht daran hält, ist kein cooles Skatergirl. Im schlimmsten Fall wird man noch ausgelacht. Na wer will das schon?

Glücklicherweise lässt uns die letzte Lektion von Natalie wissen, dass wir Skateboarding nicht all zu ernst nehmen sollen. Und es egal ist, was wir dabei anziehen. Ich sage, das gilt auch für alles andere. Es ist egal. Marke oder Second Hand, Nose oder Achse. Hauptsache ihr verliert nicht den Spaß am Boarden. Nehmt es nicht zu ernst und nehmt euch nicht zu ernst. Ansonsten mutiert ihr schnell zum steifen Skateboarder, dessen Schlips sich in den Rollen verfängt…

Ich habe jetzt übrigens einen inneren Zwang, mein Board an den Achsen zu tragen. Was würde Natalie nur sagen?


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