Nike organisiert eine Girls Skate Session und ich find’s ein bisschen scheiße

I ride my Nikeboard

Nike SB Shelter organisiert eine Girls Skate Night in der Skatehalle Berlin. Schön, dass es dort jetzt einen Skate Abend für Girls gibt, der finanziert wird. Trotzdem wandert ein unangenehmer Beigeschmack in meinen Magen und verursacht dort Bauchschmerzen. 

Nike hat eigentlich gar nichts mit Skateboarding zu tun. Die Linie Nike SB ist eine Marketingstrategie, weil sie das Potential, mit Skateboarding Geld zu verdienen, erkannt haben.

Seit Jahren engagieren sich Skaterinnen in Berlin, um eine regelmäßige Girls Session in einer Skatehalle zu organisieren. Bisher hat sich die Skatehalle am RAW aber unglaublich schwer damit getan. Nicht attraktiv. Unrentabel. Den Skatern, die zu regelmäßigen Zeiten in der Halle skaten, würde auf die Füße getreten. Deshalb gab es immer wieder Probleme, die Girls Sessions am Laufen zu halten.

Dann kommt Nike reinspaziert, legt ein paar Peanuts auf den Tresen und präsentiert sich fröhlich mit seinem sozialen Engagement. Juhu, danke Nike, wegen dir können wir jetzt regelmäßig skaten.

Und was ist jetzt mein Problem?

  • Ich steh der Marke kritisch gegenüber. Nicht nur wegen schlechter Produktionsbedingungen und fehlender Nachhaltigkeit. Nike ist außerdem dafür bekannt, der Skatecommunity nicht zuträglich zu sein. Die Sportmarke drängt sich aggressiv im Markt vor und verdrängt dabei kleinere Unternehmen. In diesem Interview berichtet ein Skateshopbesitzer, wie Nike zur Schließung des Shops beigetragen hat.

We had many good years selling their product, but at the same time they pushed tons of product on us that didn’t sell. They used shops like ours for years to establish the Nike SB brand. Then they opened up distribution to all the corporate stores and started selling direct to consumer.

Nike mutiert zum Monopol innerhalb einer Subkultur, die sie gar nicht interessiert. „They don’t ‚create‘ skateboarding, they don’t ’support‘ skateboarding. They USE skateboarding.“

  • Warum ist Nike nicht auf auf die Girls Skate Community in Berlin zugekommen und hat uns die Möglichkeit gegeben, mit ihnen zusammen zu arbeiten? Ich finde jedenfalls keinen Hinweis darauf. Die Frage wäre, ob wir das gerne gemacht hätten, andererseits hätte es so vielleicht die Möglichkeit gegeben, mitzureden und mitzugestalten.
  • Anderer Gedanke: wer steht eigentlich am Dienstag am Einlass und entscheidet, wer Mann oder Frau ist? Haben diese Personen ein Bewusstsein und ein Auge dafür, dass es Transgender-Menschen gibt?
  • Und wer ist für die Idee und Organisation der Session zuständig? Sind Frauen involviert und werden so Arbeitsplätze an Frauen vergeben?

Nutzen für Nike

Ich denke, dass Nike diese Session aus einem Grund anbietet. Sie haben das Potential von skatenden Frauen erkannt und erwarten, dass sich in den nächsten Jahren dort Geld verdienen lässt. Mein Gefühl ist, dass in Zukunft Girls Skater mit einem bestimmten Image aufgeladen werden: sportlich, unabhängig, cool. Girls Skater werden dazu benutzt, die Marke Nike weiter zu verbreiten. Angefangen bei Leticia Bufoni, kann sich Nike im Zuge von Olympia ganz in Ruhe um den Nachwuchs kümmern und sich von Beginn an diesen Markt erschließen.

Wir können über jedes Angebot froh sein, die Skatehalle im Winter nutzen zu können. Ich will mit diesem Artikel vor allem darauf aufmerksam machen, dass wir unser kritisches Denken nicht verlieren sollten. Also überlegt euch, ob ihr Dienstags mit Nike skaten gehen wollt – wer sich exklusiv anmelden will, muss sich übrigens gleich bei Nike registrieren. So viel dazu.


6 thoughts on “Nike organisiert eine Girls Skate Session und ich find’s ein bisschen scheiße

  1. Peter Antworten

    Ich find’s übel, wie NIke sich einfach mit dicker Kohle ins Skateboarding eingekauft hat. Sie hatten früher schon mehrfach versucht (z.B. Savier) im Skateboarding Fuß zu fassen, aber da hatten sie nicht so viel Geld riskiert. Nun haben sie aber ordentlich Dollars in die Hand genommen und mal eben eine Menge Top Pros, die ordentlich Coverage in Magazinen und Videos haben, gekauft und eine Menge Events gesponsort. In Videos tragen gefühlt 80% der Skater Nikes und mittlerweile auch bei uns an den spots. Zudem denke ich, dass sich die Mentalität der Skatekids geändert hat. Der Wettkampfgedanke ist viel mehr da als früher (SLS, Olympia etc.). Da passt Nike wunderbar dazu. Es denkt auch kaum einer der Kids nach, dass Nike nicht von Skatern für Skater ist. Die kaufen auch alles im Internet und der lokale skate shop hat das Nachsehen. Gerade auch weil alle Kids Nikes haben wollen, werden den shops z.T. echt üble Konditionen aufgedrückt.
    Man muss natürlich auf der anderen Seite auch sehen, dass durch das Geld einiges möglich wird (größere/bessere events, neue/bessere parks etc.) und der ein oder andere kann wirklich mit Skateboarden sein Geld verdienen.
    Mir ist das aber zu viel. Mir kommen sicher keine Nikes, New Balance oder sonst was in der Art ins Haus!

    1. Mitzi Antworten

      Danke Peter für deinen Kommentar. Bin in diesem Zwiespalt immer wieder, einerseits schlecht, anderseits neue Möglichkeiten..Ich finde es wirklich traurig, wie so viele Menschen, die mit Herzblut an ihren Shops und Marken gearbeitet haben, so von Nike überrollt werden. Aber es ist ja nicht nur Nike, es passiert ja überall. Ich schwelge da auch gern in Nostalgie, nur entwickelt sich nun mal alles irgendwie weiter. Ich hoffe, dass es noch ein paar mehr gibt, die nicht so geblendet werden…also high five

  2. Moritz Antworten

    Hey Mitzi,

    habe grad deinen Blog und diesen Artikel auf Boardstation gesehen. Wollte dir nur kurz meine Zustimmung mitteilen.
    Das Erkaufen von Anerkennung in der Szene durch Aktionen wie oben beschrieben und das flächendeckende sponsern namenhafter Pros („Wenn Koston Nike unterstützt können die ja nicht so schlimm sein…“) ekelt mich ziemlich an. Auch wenn Nike einen Haufen SkaterInnen bestimmt gut unterstützt, heiligt der Zweck eben nicht die Mittel. Kids oder SkateboardanfängerInnen die eine Zeit vor der „Nike-Invasion“ nicht miterlebt haben, könnten Nikes Überpräsenz als Normalität auffassen. Ohne wissen zu können, wie viele kleine Skateshoefirmen, Skateshops und andere Skateboardbrands durch Nike und co. auf der Strecke geblieben sind.

    und ganz abgesehen davon….wer hat eigentlich Bock auf diesen langweiligen Einheitsbrei!?

    Beste Grüße,
    Moritz

    1. Mitzi Antworten

      Hi Moritz, dank dir und ich kann dir da auch nur zustimmen. Nikeland fühlt sich einfach total unpersönlich an und nicht mehr nach Skateboardkultur,. :/ Grüße!

  3. Stoffel Antworten

    Zu Nike und den anderen großen Firmen kann man stehen wie man will aber warum benötigen Frauen einen eigen Tag in einer Skatehalle. Ich habe mich immer sehr über weibliche Skater gefreut aber wenn ich nicht in eine Halle könnte weil da gerade „Girls Day“ ist, wäre meine Freude sehr schnell ins Gegenteil geschwenkt.
    Im übrigen wird auch kein Shop gezwungen, die tatsächlich bescheidenen Bedingungen der großen Brands anzunehmen. Unser Shop führt weder Nike noch Adidas noch Converse noch New Balance weil er einfach nicht den nötigen Umsatz hat. Auf der anderen Seite bringen diese Firmen aber eben auch viel Geld in Skateboarding und wenn dadurch 50 Pros mehr ihren Lebensunterhalt bestreiten können kann das doch jeder nur begrüßen.
    Ich bin schon ein paar Jahre älter und kann mich noch erinnern als es nur Skatebrands gab und sich keiner der großen Firmen fürs Rollen interessiert hat. War zwar sehr authentisch aber außer der Szene hat sich niemand fürs skaten interessiert und es gab sehr wenige Pros die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten konnten. Wenn jetzt ein paar Brause Hersteller und Sportfirmen das dicke Geld in den Sport stecken und das ganze so populärer machen kann ich da nichts schlechtes dran erkennen. Man muss deren Mist ja nicht kaufen.

  4. Schorsch Antworten

    Ich glaube nicht, dass sich Nike in die Skateszene einkaufen will. Wer würde sich schon Klamotten von Nike kaufen in der Skateszene. Denke eher an einem Marketing Irrläufer oder ein wenig Image Politur – Frauen und Skateboard klingt fürs Image.

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