Rollmodels 1 – Rolemodels in der Werbung

Rolemodel

Heute möchte ich über weibliche Vorbilder in der Boardszene sprechen. Wer fällt mir da ein? Hmm mal überlegen. Hmm, keine Ahnung. Artikel beendet.

Na gut, ich glaube, es braucht keine Namen. Es braucht Bilder. Direkt vor unserer Haustür und natürlich in der Werbung.

Ich frage euch:

Wie viele Mädels kennt ihr, die ein Board fahren? Wie viele skatende Mädels seht ihr auf der Straße? Fällt euch spontan eine weibliche Boarderin ein, die euch inspiriert? Ist euch schon eine Frau im Skateshop begegnet, die euch ernsthaft zu den Brettern beraten konnte? Wie viele skatende Mädels seht ihr in der Werbung – und wie werden sie dargestellt?

Gibt man „Skateboarding girl advert“ bei youtube ein, erscheinen zum Beispiel Werbevideos von Globe. Globe macht bunte Cruiserboards. Mit Blumen oder durchsichtig. Die obligatorische nackte Frau darf nicht fehlen, weil umsatzstark oder gut für’s Image. Bloß nicht die Erwartungen der Kunden (Kundinnen) enttäuschen. Das Werbevideo für die Cruiserboards könnte nicht noch mehr mit ausgelutschten Bildern spielen. Hintern in extra-extra-knappen-Shorts läuft in Zeitlupe auf Skatepark zu. Frauen sitzen am Skatepark. Frauen im Bikini. Dünne Frauen im Bikini. Frauen schütten sich Wasser über den Kopf.

Frauen in Skatewerbungen nehmen immer wieder die gleiche Rolle ein:

Sie skaten nicht, sondern sitzen am Rand des Skateparks, während sie die Typen anschmachten, die tolle Tricks für sie machen. Das ist wie das Setting, das wir bereits als Mädchen – in Märchen, Filmen und als Spielzeug – mitbekommen. Wir sind die Mädchen. Ergo, wir sind die Prinzessinnen, die im Turm auf ihren Retter warten. Hauptsache frau ist passiv, kämmt sich die Haare schön, während mann was erleben darf.

Diese Bilder werden durch Werbebotschaften der Szene selbst aufrecht erhalten. Oder indem Produkte, die nichts mit Boarden zu tun haben, mit einer Skaterin aufgehübscht werden. Verzeihung! Mit einem Model, die für den Spot gebucht, auf ein Brett gestellt und angeschoben wurde. Diesen Eindruck bekomme ich jedenfalls bei der V+ Werbung, die letztes Jahr großplakatig in den Straßen hing. Und zur Zeit auch noch Teil eines TV-Spots ist.

Wir sehen das. Wir finden es doof. Wir schimpfen. Wir sagen, das darf nicht sein. Wir sagen, Frauen sollen so nicht dargestellt werden. Das ist nichts, was wir sehen wollen. Und – ich will niemandem etwas unterstellen – trotzdem gucken wir hin und finden es schön. Weil uns das beigebracht wird. Täglich. Mit jeder Werbung, die Frauenkörper zeigt. Es erscheint uns erstrebenswert, denn nur für schlanke Beine gibt es Aufmerksamkeit. Das ist schlimm. Ich gucke an mir hinunter und stelle fest, ich werde nie mit Shorts durch eine Werbung skaten. Ich finde das mittlerweile (!) nicht mehr deprimierend.

Schlanke weiße Frauen, die nicht skaten. Das ist das, was wir im Alltäglichen zu sehen bekommen. Mehr nicht (außer wir suchen explizit danach). Das sind unsere Vorbilder im Boarden. Ziemlich einseitig.

Die schlechte Nachricht: diese Bilder funktionieren. Es wird also weiterhin solche Videos geben.

Die gute Nachricht:

Es kommen andere Bilder. Ernstzunehmende. Bilder, die auch funktionieren. Vielleicht sogar besser als nackte Girls. Auch die Werbeindustrie hat mittlerweile erkannt, dass persönliche Geschichten hängen bleiben. Wichtig ist, dass große bekannte Marken, die von vielen gesehen werden, das verstehen.

Und hier ein paar positive Beispiele:

PLGRM portraitiert die 10-jährige Sophia Rothfield. Ich mag dieses Mädchen. Ich hoffe, dass sie weiterhin supportet wird. Und dass sie bald in Magazinen auftaucht. Und Vorbild wird. Bei Vans gewinnt in einem Videocontest die Geschichte einer Skaterin, die ihre Freundin heiratet (und ihr Outfit ist toll, ja auch so darf geskatet werden). Und eine australische Marke postet ein Video, in dem sie ihr Girls Longboard Team vorstellen. Der Fokus liegt nicht auf ihrem Aussehen, sondern auf dem, was sie beim Boarden empfinden. Geht doch.

Dieses Thema ist groß und längst nicht fertig diskutiert. Ich hoffe, der ein oder andere Denkanstoß war dabei. In Rollmodels 2 werde ich diskutieren, ob Mädels auf Boards nur als „Sexy oder Schmuddelig“ wahrgenommen werden können.

 

(Bild: Sonnix)


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