Na zdrowie, deskorolka! Mit dem Minicruiser an die polnische Ostsee

Caro hat mit uns auf dem Ladiyfest Berlin ihr eigenes Board gebaut. Hier berichtet sie davon, warum sie als Anfängerin ausgerechnet einen Minicruiser haben wollte und wie sie es geschafft hat, sicher auf dem Board zu stehen:

Cruiser im Wohnzimmer

Da stand er nun. Mein neuer Minicruiser. Mein allererstes Board, von mir selbst gebaut. Kurz und ein bisschen dicklich, mit kleinen selbstgezimmerten Macken, die ich vom ersten Moment an mochte. Er sah so schön aus! Und ich konnte keinen Meter damit fahren.

Warum denn ausgerechnet ein Minicruiser?

Ich hatte schon länger damit geliebäugelt, Skateboard fahren zu lernen, aber ich hatte kein Board und ich kannte niemanden, der es mir hätte zeigen können. Und dann kam der Le petit Rebel – „Bau dir dein eigenes Board“ – Workshop im Rahmen des LaDIYfestes. Yay!

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, dass ich ein möglichst kleines Board haben wollte. Weil ich’s so süß und praktisch fand. Alle Warnungen, dass so ein winziger Cruiser für eine Anfängerin wie mich eine viel größere Herausforderung sein würde, schlug ich in den Wind. Als ich dann das erste Mal drauf stand – besser gesagt, direkt wieder runterfiel – wusste ich ungefähr, wovon die Rede war. Aber ich sagte mir: Wenn ich erstmal auf meinem Board fahren kann, kann ich alle anderen schon lange! Ha!

Mein Minicruiser: der Star aller Kinder

Die Vorstellung, die tollpatschigste Anfängerin in den Straßen Berlins zu sein, machte mich nicht grade froh. Also nahm ich mein Board mit in den Urlaub an die Polnische Ostsee. Dort, wo mich niemand kannte, startete ich meine ersten Versuche.

Ich klemmte mir mein kleines Board bei unserer ersten Erkundungstour unter den Arm und cruizte auf den Geh- und Radwegen so oft es ging neben meinen Freunden Ben und Nico. Mein Board war der Star aller Kinder – ihre sehnsuchtsvollen Blicke begleiteten mich durch den ganzen Urlaub. Auf dem Weg zurück gingen wir am Strand entlang und der Cruiser verschwand in meiner Tasche. Ein kleines Board hat also auch seine Vorteile!

Polnische Ostsee

Muskelkater als Souvenir

Der erste Tag war hart. Ich fiel und stolperte mehr als ich fuhr. An den folgenden Abenden übte ich auf einem Radweg, der zwischen Wald und Meer entlangführte. Ich wollte mich an das Gefühl gewöhnen, ein Board mit Rollen unter den Füßen zu haben. Ich mochte es sehr, dort in der Dämmerung den kleinen Hügel hoch- und wieder runterzufahren; immer und immer wieder, bis es unter meinen Füßen prickelte. Selbst, wenn ich nicht mehr auf dem Board stand.

Am Anfang hielt ich noch bei jedem Radfahrer an, um keinen Unfall zu verursachen, aber mit jedem Tag ging es ein bisschen besser. Wenn es dunkel geworden war, nahm ich mein Board und lief verschwitzt und vergnügt zurück in unsere Wohnung. Den einwöchigen Muskelkater in meiner linken Wade mochte ich und nahm ihn als Souvenir mit nach Hause.

Würde ich mich jetzt trauen, auch in Berlin zu cruizen?

Am ersten Morgen zurück in Berlin rief Tempelhofer Feld 04_b_Medium2mich Ben an: „Du hast mich mit deinem Cruiser total angesteckt. Ich hab mir das Longboard von meinem Mitbewohner ausgeliehen und bin auf dem Weg zum Tempelhofer Feld. Kommst du mit?“ – Aber sowas von!

Mein polnisches Trainingslager hatte sich ausgezahlt: Ich fiel und stolperte immer noch. Aber ich fuhr auch. Schneller und besser und sicherer. Und ich hatte riesigen Spaß. Wir tauschten einmal unsere Boards und ich konnte nicht glauben, wie leicht und bequem sich das große Longboard fuhr. Doch ich hatte mein Herz und meinen Ehrgeiz an dieses kleine rollende Etwas gehängt. Als Ben nach Hause ging, fuhr ich noch anderthalb Stunden alleine übers Feld. Ich konnte einfach nicht aufhören.


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